Tierschutz

Wildtierhandel: Die große Not der kleinen Sonderlinge

One Million Dreams
30. November 2020
Wildtierhandel_Schuppentiere_Header
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Im Wildtierhandel bringen die scheuen Schuppentiere viel Geld. Eine deutsche Tierärztin setzt sich für ihren Schutz ein.

Noch nie hat Tierärztin Daniela Schrudde (47) ein frei lebendes Schuppentier gesehen. So scheu und selten sind die nachtaktiven Tiere, für deren Schutz sie sich als Programmleiterin bei der Welttierschutzgesellschaft (WTG) in Berlin und vor Ort in Vietnam einsetzt. Die urtümlich wirkenden Tiere leben in Asien und Afrika. Und auf beiden Kontinenten sind Pangoline, wie Schuppentiere auch genannt werden, vom Aussterben bedroht.

Wildtierhandel: Traurige Spitzenreiter-Position der Schuppentiere

Denn die Tiere, die sich überwiegend von Termiten und Ameisen ernähren, sind traurige Spitzenreiter, wenn es um illegalen Wildtierhandel geht. Sie gelten zum einen als Delikatesse, zum anderen werden ihre Schuppen zu vermeintlichen Wundermitteln gegen Fieber und Hautkrankheiten verarbeitet – dabei sind sie nur aus Keratin, ähnlich wie unsere Fingernägel. Wenn Pangoline sich zusammenrollen, sind sie gut vor anderen Tieren geschützt. Nicht aber vor dem Menschen: Die können die zusammengerollten Schuppentiere einfach aufsammeln. „Sie sehen aus wie Tannenzapfen, werden auch Tannenzapfentiere genannt“, sagt Daniela Schrudde. Sie hielt zum ersten Mal einen Pangolin in der Hand, als sie einen lokalen Tierarzt schulte. „Ich war überrascht, wie weich die Haut am Bauch ist, fast fragil, als würde sie gleich reißen“, erinnert sie sich. Die Zusammenarbeit mit den Tierärzten vor Ort in Vietnam ist ein wichtiger Teil ihrer Arbeit. „Sie kennen die Tiere gut, ich bringe Techniken und Methoden mit.“ Die Partnerorganisation in Vietnam – Save Vietnam’s Wildlife – nimmt beschlagnahmte Tiere auf. „Sie sind oft in schlechtem Zustand, wurden etwa mit Gips gefüttert, um den Kilopreis zu erhöhen, oder sind verletzt.“

Wildtierhandel verhindern: Die wichtige Aufklärung vor Ort

Daniela Schrudde erinnert sich an Kim, ein Jungtier, dessen Mutter kurz nach der Beschlagnahme an den Folgen des grausamen Schmuggels starb und per Hand aufgezogen wurde. „Bei den Transporten gibt es auch Geburten und Todesfälle, Tiere werden getrennt.“ Der deutschen Tierärztin fiel auf, dass Kim beim Klettern sehr unkoordiniert war. „Eigentlich sitzen sie bei Mama auf dem wackelnden Schwanz und trainieren so ihre Muskulatur.“ Also setzte Schrudde Kim bei jeder Gelegenheit auf den Oberschenkel und wippte. Zurzeit ist sie wegen Corona in Berlin, kann es kaum erwarten, wieder nach Vietnam zu reisen. Die Schuppentiere wurden als Virus-Überträger verdächtigt, doch das konnte nicht bewiesen werden. Immerhin wurden die Tiere so bekannter, und China hat den Handel und Verzehr von Wildtieren verboten. Daniela Schrudde fürchtet allerdings, dass der Handel wieder losgeht, wenn Vietnam seine Grenzen öffnet. „Aber langsam setzt auch in der Bevölkerung ein Bewusstseinswandel ein.“ Nicht zuletzt, weil die lokalen Tierschützer auf Aufklärung und Bildung setzen. Damit die Schuppentiere nicht mehr auf der Speisekarte landen.

Spenden für das Projekt, das beschlagnahmte Tiere aus dem Wildtierhandel rettet

Die Welttierschutzgesellschaft (WTG e.V.) ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin, der 1998 in Bonn gegründet wurde. Der Verein engagiert sich weltweit für nachhaltige Verbesserungen im Leben von Streuner-, Nutz- und Wildtieren und für die Stärkung der Tierschutzbildung. Im Fokus der Tierschutzarbeit stehen dabei Entwicklungs- und Schwellenländer, in denen es kaum Maßnahmen zum Schutz von Tieren gibt. Hier arbeitet die Welttierschutzgesellschaft eng mit lokalen Partnerorganisationen zusammen – unter anderem in Wildtierschutzzentren.

Unterstützen Sie das Projekt mit Spenden:

Welttierschutzgesellschaft

IBAN: DE38 3702 0500 0008 0423 00,

Weitere Infos unter www.welttierschutz.org

Wussten Sie schon? Jede achte Wirbeltierart ist bedroht

Die Rote Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) weist regelmäßig aus, wie viele Tierarten weltweit vom Aussterben bedroht sind. In Deutschland sind laut WWF ein Drittel der Wirbeltiere bestandsgefährdet.

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